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Luftschutzbunker St. Georgen


Rudolf Huttinger aus der Brandenburger Straße hat als Kind die schrecklichen Tage im April 1945 in einem Felsenkeller erlebt und erinnert sich:

Am Nachmittag des denkwürdigen 11. Aprils gab es wieder Fliegeralarm, und dieses Mal wurde es auch für den „Brandenburger“ ernst. Wieder hörte man, wie bei den vorausgegangenen Angriffen, die Bombeneinschläge in der Ferne, aber die Zeitabstände dazwischen waren kürzer. Dann wurden die Detonationen lauter und alle Gespräche verstummten. Plötzlich hatten alle Leute Tücher in der Hand, die man in das Wasser tauchte und sich vor Mund und Nase band. „Laß den Mund schön zu! Der Luftdruck ist zu gefährlich!“ sagte meine Mutter noch vorher zu mir. Ich verstand zwar, was sie von mir erwartete, aber nicht, was es mit dem Luftdruck auf sich haben sollte. Dann fasste sie mich an der Hand, und wir legten uns, wie alle anderen, flach auf den Boden des tiefer liegenden Kellerganges.

Zwischen dein einzelnen Detonationen, die jetzt näher kamen, herrschte atemlose Stille. Die nächsten Einschläge waren noch heftiger und man duckte sich jedes Mal, bis der Kopf den Boden berührte. Das Beben des Gesteins war deutlich zu spüren. Dann folgte ein Schlag, so als ob ein gewaltiger eiserner Hammer auf die Kellerdecke gestürzt wäre. Jetzt schwankte der ganze Keller, Steine polterten, Staub wirbelte auf und trübte den Schein der Lampen, dann ein kleines Sausen in der Luft, ein „Blubb“ an der hinteren Kellerwand und einige verlöschende Lichter, - das war die Druckwelle der Explosion von der meine Mutter gesprochen hatte.
 
Eigentlich spürte ich nur einen Luftzug, aber ich traute mich selbst dann nicht zu sprechen, als mich meine Mutter dazu aufforderte: „Sag halt etwas! Ist dir was geschehen?“ Die Zeit, bis ich endlich antwortete: „Was soll den sein?“ sei die schlimmste Zeit in ihrem Leben gewesen, erzählte sie später. Als die Sicht wieder klar wurde, nahmen wir unsere Tücher ab und schauten uns um. Der Kellerraum war ganz geblieben und niemand zu Schaden gekommen, aber oben an der Treppe war es finster. Dort konnte man vorher einen schwachen Schimmer des Tageslichts sehen, das durch den Ausstieg auf die seitliche Kellerwand fiel. Ich weiß nicht mehr, wer hinaufging um nachzusehen, aber bald kam die erlösende Nachricht: „Wir sind nicht verschüttet, da liegen nur ein paar große Steine herum!“Diese Hindernisse wurden ohne Schwierigkeiten weggeräumt, und am nächsten Tag kletterten wir wieder hinaus. Aber das war nicht mehr die Welt, die wir kannten. Überall lagen Steinbrocken, gebrochene Ziegel, gesplittertes Holz und zertrümmerte Türen. Dort, wo vorher der Schuppen stand, befand sich jetzt nur ein Haufen Schutt, und die Druckwelle der Detonation hatte sämtliche Fenster der umliegenden Häuser eingedrückt, ein trostloser Anblick, der uns bald wieder in den Keller zurückkehren ließ.


    
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